Luchsingen

572 m ü. M.
531 Einwohner

Das Dorf liegt auf der linken Seite des Grosstals, auf dem Schuttkegel des Bächi- oder Luchsingerbaches und unter dem Felsmassiv des Glärnisch mit dem Bächistock (2914 m. ü. M.). Dazu gehören der Weiler Adlenbach und die Ferienhaussiedlung Schlatt, welche durch eine Sesselbahn mit dem Tal verbunden ist.

Im Jahr 1274 findet der Name Luchsingen erstmals in den Schriftquellen Erwähnung: Ein Werner von Luchsingen tritt als Zeuge in Glarus auf. Der Begriff für den Ort wird nicht mehr in Beziehung gebracht mit dem Wappentier, dem Luchs, viel eher ist er entstanden als Bezeichnung einer Heimstätte, wo ein Lux (Vorname) wohnte. (Dennoch wurde dieses überkommene Sujet 2004 ins Wappen der Einheitsgemeinde Luchsingen aufgenommen.) In der Säckingerzeit ist Luchsingen eine der reichsten Dorfschaften des Tals. Es besitzt noch immer eine der schönsten Allmenden des Kantons, die Alp Bächi.

In früher Neuzeit hatte Adlenbach einige Sonderrechte innerhalb des Tagwens Luchsingen. Diese frühere Bezeichnung des Luchsingerbachs (so benannt ab 1518) hat sich demnach als Ortsname erhalten. Dieser weist wohl auf einen oder mehrere adlige Besitzesansprecher in der Gegend hin, welche im Hochmittelalter gelebt hatten. 1868 wurde der Tagwen Luchsingen-Adlenbach neu konstituiert. Die beiden Sterne im früheren Gemeinde-Wappen verwiesen auf die zwei vereinigten Tagwen. (Die drei Sterne im Wappen der seit 2004 bestehenden politischen Gemeinde Luchsingen stehen indes für die Dorfschaften Luchsingen, Hätzingen und Diesbach.)

Luchsingen bildet mit Nidfurn und Leuggelbach zudem den sogenannten Eschentagwen. Kennzeichnend für diesen ist die sich von Leuggelbach bis Luchsingen erstreckende Allmeind. Das Wort Esch bedeutet Saatfeld beziehungsweise Flur. Somit lagen hier wohl einst die nach einem Rotationssystem bestellten Saatfelder der angrenzenden Genossamen.
Das Dorf Luchsingen war zuerst nach Glarus, seit 1349 nach Schwanden kirchgenössig; Adlenbach gehörte vom 14. Jahrhundert bis 1868 zur Kirchgemeinde Betschwanden. Die Reformation setzte sich 1528 im Dorf mehrheitlich durch. 1752 kam es zum Bau einer eigenen Kirche.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde eine Schwefelquelle in der Bächibachschlucht für ein Heilbad genutzt. Im «Altbad» hatte, schon bevor ein Badhaus bestand, eine von der Genossame Luchsingen betreute primitive Badeeinrichtung existiert, die aus einer Zelle und einem kleinen Gemäuer am Bach bestand. (Die Luchsinger zeigten sie am Umzug zur 600-Jahr-Feier des Kantons Glarus 1952.) Heute gibt der Fels noch zirka einen Liter Schwefelwasser pro Minute heraus.

Im 18. Jahrhundert bildete die Handspinnerei den Haupterwerbszweig der Luchsingerinnen und Luchsinger. Die im 19. Jahrhundert eingeführte Industrie konnte sich hier nicht behaupten; so die Spinnerei und Weberei Jenny (existierend 1828/1843–1938) und die Kartonfabrik Tschudi (1880–1970). Jene wurde wegen ihrer günstigen Wasserkräfte von der Stadt Glarus gekauft, welche 1941/43 ein Elektrizitätswerk erstellte. (Auch die Seilbahn Luchsingen–Brunnenberg gehört seit 1948 den Werkbetrieben Glarus.) Die Wasserversorgung der Einwohnerschaft gewährleistet die Gemeinde Luchsingen seit dem Jahr 1904. Registriert wurden 1837 im Dorf 608 Personen. (1989 waren es nur unwesentlich mehr Leute, nämlich 615, nachdem es in der Mitte des 20. Jahrhunderts 768 gewesen waren.) 1839 wurde eine neue Landstrasse gebaut, welche das Dorf verkehrsmässig erstmals erschloss, weil sie nicht mehr über Haslen führte.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert begründete Luchsingen eine Dorfschule. Der erste Dorfpfarrer, der Diesbacher Johann Ulrich Legler, fungierte auch als Lehrer. 1841 errichtete die Gemeinde ein Primarschulhaus, welches seit 1975 für die Realschülerinnen und -schüler auch von Braunwald, Linthal, Rüti, Betschwanden, Diesbach und Hätzingen dient. Umgekehrt gehen seitdem die primarschulpflichtigen Luchsinger Kinder nach Hätzingen in die Schule. Der Kindergarten blieb demgegenüber auch nach der Gemeindefusion 2004 bestehen. Im Jahr 1976 wurde überdies die Glarner Werkstätte für Behinderte eingerichtet.

1936 baute man eine katholischen Kirche vor allem für die Gastarbeiter der Umgebung. Sie bildet heute mit Schwanden und Linthal eine gemeinsame katholische Pfarrei.

Auf dem früheren Gemeindegebiet von Luchsingen befindet sich schliesslich der Standort des Werkhofs mit integriertem Feuerwehrgebäude der Einheitsgemeinde.

Verbindend (und trennend) wirkten in dieser Umgebung u.a. seit Jahrhunderten immer wieder Naturkatastrophen. Durch eine grosse Lawine aus der Zeit um 1600, an die noch eine Aufschrift am Kopf gegenüber der Brändrunse erinnert, wurde wahrscheinlich auch die kleine Badstube zerstört. Der Bächibach wütetete beispielsweise in den Jahren 1662 und 1664, als die Adlenbacher zu den Fenstern hinaus fliehen mussten. Ende Juni 1953 überflutete er die Allmeind, und im August 2002 brach der Rusenbach aus und richtete Schäden an Kulturland dies- und jenseits der Gemeindegrenze mit Diesbach an. Im Jahr darauf wurde die Runsenkorporation Luchsingen gegründet, welche das ganze damalige Gemeindegebiet umfasst.

Neu geschaffener attraktiver Wohnraum lockte in den letzten Jahren Zuzüger an. Adlenbach besitzt zudem die besterhaltene Gruppe von Holzhäusern im Kanton, die 1972 unter eidgenössischen und kantonalen Schutz gestellt wurde. Die ältesten Gebäude stammen aus dem 16., die neuesten aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Sommer sind die Bächialp und der Oberlegisee beliebte Ausflugsziele, welche aus dem Tal oder von Braunwald her zu erreichen sind. In schneereichen Wintern führt vom Skigebiet Bächital her eine Route zum Schlattberg und weiter hinunter bis ins Tal.