Diesbach

593 m ü. M.
211 Einwohner

Das Strassendorf am Fuss des Freibergs Kärpf liegt zwischen Hätzingen und Betschwanden. Diesbach wurde zunächst besiedelt auf dem Schuttkegel der Rufirunse; der sich südlicher befindende Weiler Dornhaus auf Ablagerungen des Dies- oder Dornhausbachs. Gesucht wurde dabei auch die Nähe eines Schutzwaldes, worauf noch die Flurbezeichnung «im Baa» (Bannwald) hindeutet. Im 19. Jahrhundert wurden die durch die Dolenrunse getrennten Weiler Diesbach und Dornhaus durch Industrie- und Wohnbauten des Textilunternehmens Legler geprägt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensivierte sich die Besiedlung des Raumes zwischen den alten Dorfteilen.

Um 1350 taucht Diesbach in schriftlichen Zeugnissen erstmals auf. Der Name gehört zu einem alten Verb diessen «laut schallen, rauschen“. Der Ausdruck für die Siedlung wurde auch mit -ss- geschrieben (wie heute noch Oberdiessbach bei Thun und Diessbach bei Büren an der Aare).

Reste eines mittelalterlichen Wohnturms werden am «Bürgli» in Dornhaus vermutet. 1413 stellte Landammann Albrecht Vogel der Genossame Diesbach über verschiedene «richterliche Erkanntnisse» eine Urkunde aus. Dieser Streit wurde mit den im Schriftstück genannten Wilhelm Dietty und Heini Kinnater (beide wahrscheinlich Angehörige der damaligen glarnerischen Führungsgruppe) ausgetragen. Es ging dabei um Boden, im unteren Teil der Allmeind an der Linth, der heute unter anderem als «Michelerlen» bezeichnet wird. Ursprünglich gehörte Diesbach zum grossen Tagwen Nesselowe, von dem sich die Dorfschaft im Spätmittelalter löste.

In früher Neuzeit war sie Teil des Wahltagwens Betschwanden (inklusive Hätzingen und Haslen). Sie nahm 1752 den Namen Dornhaus auf. Das Wort ist, noch als Begriff für ein einzelnes Haus, bereits 1657 bezeugt; als Ortsbezeichnung seit 1692. Der Flurname hatte «in den Dornen» (bei den Dorngebüschen) gelautet. Zwischen 1711 und 1835 tätigte der Tagwen viele Güterkäufe. Zudem erwarb er 1836 von fünf Privatleuten die am Übelbach gelegene Alp Diestal. Noch immer besitzt Diesbach überdies Anteile an der Braunwald-Alp. Der Wahlkreis umfasste bis 1989 die Gemeinden Hätzingen, Diesbach-Dornhaus und Betschwanden, danach zudem Nidfurn, Haslen, Leuggelbach und Luchsingen. Seit 2004 ist Diesbach Teil der politischen Gemeinde Luchsingen.

Anfänglich gehörte das Dorf zur Kirche Glarus, seit dem 14. Jahrhundert zu derjenigen Betschwandens. 1528 nahm es mehrheitlich den reformierten Glauben an.

Bis um 1800 baute man Hanf an zur Herstellung der halbwollenen Mätze. Im 18. Jahrhundert stellte aber die Baumwollhandspinnerei die bedeutendste Erwerbsquelle dar. 1774 wird auch von einem Schieferbruch unter den Eggbergen im Diestal berichtet. Im selben Jahr baute Jakob Messmer auf Initiative von Rats- und Handelsherr Adam Schiesser das Haus «Zum Sunnezyt» fertig, mit Rokokostukkaturen der Gebrüder Moosbrugger. Unweit davon, in einem 1736 erbauten «Holzstrickhaus“, wurde 1782 Thomas Legler geboren. Er nahm als Berufsoffizier an den Feldzügen Napoleons nach Korsika, Elba und Russland teil.

Der Kämpfer an der Beresina im Jahr 1812 berichtete, wie er aufgefordert wurde, das Lied «Unser Leben gleicht der Reise» vorzusingen. Diese vier letzten Strophen des Gedichtes «Die Nachtreise» sind – freilich mit einer anderen Melodie – als Beresina-Lied in die Geschichte eingegangen. Legler starb 1835 in Holland.
Heute beherbergt das «Thomas-Legler-Haus» ein Museum mit dem Generalthema «Land und Leute im 18. und 19. Jahrhundert, unter Berücksichtigung von Einzelschicksalen» und einer Dorfgeschichte von Diesbach/Dornhaus.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts florierte noch die Heimweberei. Diesbach war damals auch ein Ort der Schneider. In den Jahren 1845–48 jedoch wanderte ein Siebtel der Einwohnerschaft aus Armut nach Amerika (New Glarus) aus. (Die Zahl der Dorfbevölkerung sank von zirka 470 Personen 1837 auf rund 420 in der Mitte jenes Jahrhunderts.) In Diesbach entstand kurz danach das Textilunternehmen Legler; aus dem kleinen Spinnerei- und Webereibetrieb sollte die europaweit tätige Legler Holding AG werden.

1875 wanderte ein Teil der Familie nach Italien aus und gründete in Ponte San Pietro bei Bergamo eine Firma, welche bis zu 2500 Personen anstellte. Bereits in den 1860er-Jahren waren 200 Webstühle in den Räumen der Diesbacher Produktionsstätte gestanden. 1888 fanden dort bis zu 235 Personen Arbeit, in der Zeit danach bis zum Ersten Weltkrieg rund 220. 1989 jedoch wurde der Textilbereich in ganz Europa verkauft. Am 30. September 2001 musste die Weberei in Diesbach ihre Tore schliessen.

1888 hatten infolge der Industrialisierung 525 Leute im Dorf gewohnt; 1950 476; 1990 nur noch 284 (darunter auch eine kleine Gruppe Tibeterinnen und Tibeter).

1907 hatte der Textilfabrikant Mathias Legler den Bau einer Hütte in Diesbacher Huben initiiert und bezahlt. Er schenkte sie ein Jahr später dem Schweizerischen Alpenclub (“Leglerhütte“, 2273 m ü. M.).

Der Diesbach ist einer der letzten Wasserfälle im Glarnerland. Die Diesbacherinnen und Diesbacher nennen ihn «Stüber“. Der Bach suchte schon 1629 die Dörfer Diesbach und Betschwanden heim. Innert 14 Jahren (1750, 1762 und 1764) verwandelte er jenes Dorf in eine Schutthalde. 1756 bannte man aus Angst vor Lawinenniedergängen einen Wald. Erst ab 1781 wurden bessere Wuhren erstellt. Die Firma Legler begann 1888 mit der Nutzung eines Teils des Wassers oberhalb des Falls; dies war zugleich das erste Elektrizitätswerk des Kantons. 1945 und 1995 bereitete der Bach wieder Ungemach. (Bei der Wasserkatastrophe vom 14./15. Juni 1910 aber hatte die Rufirunse Verwüstungen angerichtet.) Die in den späten 1940er-Jahren erbauten Mauern schützen das Dorf gegen die Ausbrüche des Fliessgewässers.

Für das frühe Schulwesen von Diesbach-Dornhaus war die Kirchgemeinde Betschwanden das Dach. Die Bürgerschaft dieses Dorfes errichtete 1844 ein eigenes Schulhaus. Die Kinder von Diesbach wanderten aber zehn weitere Jahre in den ersten Stock des Pfarrhauses neben der Kirche des Nachbardorfes, bis der Tagwen Diesbach das heute noch alte Schulhaus genannte Heim des Ratsherrn Streiff kaufte und im ersten Stock ein grosses Schulzimmer einrichtete. 1886 kam der Bau des heutigen Schulhauses im Feld zustande. Bis 1963 gingen Diesbach und Betschwanden getrennte Wege. Der Wegzug der Textilindustrie zwang die beiden Gemeinden, die Unter- und Oberstufe der Primarschule nach Diesbach zu verlegen. Zwischen 1984 und 2004 bestand ein Primarschulkreis zusammen mit Rüti und Betschwanden. Seitdem aber besuchen die Primarschülerinnen und –schüler Diesbachs zusammen mit den primarschulpflichtigen Kindern der anderen Dörfer der Einheitsgemeinde Luchsingen das Schulhaus in Hätzingen.

Ebenso gehört Diesbach seit 2004 zur Feuerwehr dieser neuen Gemeinde (zusammen mit Luchsingen und Hätzingen), nachdem es mit Betschwanden, Rüti und Linthal von 2001 bis 2004 die «Feuerwehr Grosstal Süd» gebildet hatte.

Beim Hotel «Diesbach» entwickelte sich mit Post, Dorfladen/Milchzentrale, dem Schulhaus und dem 1996 erstellten Gemeindemehrzweckgebäude mit Kleinkinderschule ein neues Zentrum. (Das Gemeindehaus ist seit 2004 dasjenige der Einheitsgemeinde Luchsingen.) Die Verbreiterung der Kantonsstrasse 1977/78 führte ebenfalls zu grossen Veränderungen des Dorfbildes. Verschwunden sind unter anderem das Haus des späteren Mitgründers von New Glarus, Richter Dürst, sowie das Geburtshaus von Adam Schiesser. Das Leglerhaus erhielt einen neuen Standplatz. In jüngster Zeit entstanden meist abseits der Hauptstrasse neue Wohnquartiere.