Betschwanden

600 m ü. M.
195 Einwohner

www.dorfverein-betschwanden.ch

Der Ort mit Dorfkern auf dem Schuttkegel des Diesbachs ist auf der rechten Grosstal-Seite besiedelt. Der grösste Teil des Gemeindegebietes liegt im Freiberg Kärpf.

In einer auf das Jahr 1240 datierten Urkunde erscheint die Formulierung in Beswando. Im ersten Wortteil steckt wahrscheinlich der Personenname Betto, eine Kurzform zu Baturîh oder Batufrid. Der Begriff «Batu» seinerseits bedeutet Kampf. Vielleicht geht der Ausdruck aber auf ein gallisches Wort für Birke zurück.

Dem Wahltagwen Betschwanden waren vom 16. bis 18. Jahrhundert Diesbach, Hätzingen und Haslen angegliedert. Er zählte 1701 insgesamt 222 männliche evangelische Landleute. Eine Wahlgemeinde bildet heute Betschwanden zusammen mit Diesbach.

Die Dorfschaft war ursprünglich nach Glarus kirchgenössig. Die im 14. Jahrhundert im romanischen Stil errichtete und mehrmals umgebaute Kirche wurde 1779–80 gegen Hochwasser geschützt, erhielt 1915 Jugendstil- und Neubarock-Elemente und wurde 1975–77 restauriert und archäologisch erfasst. Mit Hätzingen, Diesbach, Rüti (sowie bis 1868 dem zu Luchsingen gehörenden Weiler Adlenbach) bildet Betschwanden eine seit 1528 reformierte Pfarrgemeinde, in welcher unter anderen 1532–55 Fridolin Brunner, ein Anhänger Zwinglis und Reformator des Landes Glarus, sowie 1866–1906 der Geschichtsschreiber und Sozialreformer Gottfried Heer wirkten. Zu dieser Körperschaft gehörte bis 1942 auch Braunwald.

Die Land- und Alpwirtschaft war bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Einnahmequelle: Die Alp Vorder Sand, heute auf Gemeindegebiet Linthal gelegen, war schon vor 1800 im Besitz des Tagwens. Aus dem Jahr 1478 wurde jedoch vermeldet, dass eine Kirchenglocke von Betschwanden zur Anschaffung von Lebensmitteln verkauft worden war. 1510 wurde verbrieft, dass der Wald am Saasberg zum Banngebiet erklärt worden sei. (Dieses Gebiet trägt noch heute den Namen «im Baa».) Im Jahre 1612 schlossen sich die Dorfleute zu einer Brunnengenossenschaft zusammen. Eine Quelle hatten sie in der Gross-Schrähe gefunden, im Bannwald, wo noch heute die Brunnenstube steht, die das Wasser für den oberen Dorfbrunnen sammelt. 1692 zählte die Einwohnerschaft insgesamt 123 Personen. Die Brunnenkorporation trat später ihre Rechte und Pflichten an den Tagwen ab. 1855 zog die Dorfschaft einen steinernen Brunnentrog von Riedern nach Betschwanden. 1895 begehrte der Tagwen aus den Quellen im Obermarglen Wasser von der Eigentümerin, der Firma W. Schuler in Rüti, für die Dorfwasserversorgung.

Die 1778 erbaute Mühle am Diesbach ist zum Gästehaus der Kirchgemeinde geworden. Dort befindet sich auch ein Mitte des 20. Jahrhunderts in Diesbach ausgegrabener Mahlstein. Aus einer 1843 eröffneten Spinnerei wurde 1910 ein Lagerhaus, aus diesem 1982 wiederum ein Textilchemiebetrieb. Vier Jahre zuvor war die Eröffnung eines regionalen Notschlachthauses erfolgt. 1879 war Betschwanden an das Netz der Nordostbahn angeschlossen worden. Eine Hauptstrassen-Umfahrung hat 1989 das Ortsbild bei der Kirche verändert. In jener Zeit waren zwei Drittel der Erwerbstätigen Wegpendler; die Einwohnerzahl betrug knapp 150. Um 1850 hatte man im Dorf 254 Personen registriert, hundert Jahre später rund 30 Leute mehr.

Die erste schulische Tätigkeit eines Geistlichen in der Kirchgemeinde Betschwanden ist im Jahre 1595 belegt, und zwar betraf dies Ludwig Osenbrey. 1727 erhielt der Pfarrkreis eine Schule. In einem Zimmer des inzwischen abgebrochenen hölzernen Pfarrhauses neben der Kirche lehrten die Pfarrer die Kinder das Schreiben und Lesen. Um 1800 gab es in Rüti, Betschwanden, Dornhaus und Diesbach zwischen 150 und 160 schulfähige Kinder, nur 30 bis 40 von diesen gingen aber regelmässig zum Unterricht. 1844 erstellte die Gemeinde ein eigenes Schulhaus. Nach dem Bau des Schulgebäudes des nördlichen Nachbardorfes 1886 gingen dieses und Betschwanden bis 1963 getrennte Wege. (Einer der bekanntesten Absolventen der Betschwander Schule sowie Konfirmand bei Gottfried Heer war Brigadier Jacques Wichser gewesen (1888–1980).) Dann entschlossen sich die beiden Gemeinden, die Unter- und Oberstufen der Primarschule nach Diesbach zu verlegen. Die Abschlussklassen der Gemeinden von Luchsingen bis Rüti wurden in Betschwanden unterrichtet.

Das dortige Schulhaus musste aber im Jahr 2001 seine Tore schliessen. Grund dafür war der Rückgang der Schülerzahlen im erst 1984 gegründeten Primarschulkreis Diesbach-Betschwanden-Rüti. Betschwanden ist somit die erste Gemeinde im Glarnerland ohne Schulbetrieb.

Im schweizerischen Lawinenwinter von 1951 geschah auch in Betschwanden ein Unglück: An jenem 20. Januar brach auf der ganzen Breite des Kneugrathanges eine Lawine los, die nicht nur sieben Ställe und zwei Ferienhäuser zerstörte, sondern auch das Leben der Brüder Heinrich und Rudolf Zweifel auslöschte. Daraufhin brachte man geeignete Lawinenverbauungen an.
Die private Bautätigkeit sorgt seit einigen Jahren für Zuwanderung, wobei die Gemeinde Land zur Verfügung stellt. Von dieser erhielten erstmals im Jahr 2001 vier junge Betschwander Sportler einen Sponsoringbeitrag.