Matt

853 m ü. M.
352 Einwohner


Das Dorf entstand auf dem Schuttkegel des Krauchbaches am Eingang zum Krauchtal. Besiedelt sind in erster Linie die Weiler Brummbach, Stalden und Weissenberg (Wissenberg[e], 1250–1500 m ü. M., seit 1967 durch eine Luftseilbahn erschlossen).

1273 erscheint ein damaliges Gut als Mattun in einer Urkunde. Der Ortsname bedeutet ursprünglich Wiese. Zwischen 1261 und 1273 – mit Erlaubnis der Äbtissin von Säckingen beziehungsweise von deren Vögten, den Habsburgern, – erfolgte der Bau einer Kapelle, die 1273 zur Pfarrkirche des Tales erhoben wurde. Der Zehnte im Sernftal war 1276 nicht nur umstritten zwischen Ritter Heinrich von Schwanden und dem Meier Diethelm von Windeck, sondern auch zwischen dem Stift Säckingen und der aufstrebenden habsburgischen Landesherrschaft. Das heutige Gotteshaus stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1497; in dessen Innerem befindet sich eine bedeutende spätgotische Holzdecke. 1528 gab es einen Bildersturm während der Amtszeit (1527–1530) des Zwinglifreunds Fridolin Brunner. Seit der Frühen Neuzeit dient die Kirche den Reformierten von Matt und Engi. 1532 besass sie eine Alp im Krauchtal (1843 an den Tagwen verkauft).
Die Dorfschaft litt immer wieder unter den Zerstörungen des Sernfs. Mit dem Grosstal wurde sie erst 1828 durch eine Strasse verbunden; 1977 erhielt sie eine Umfahrung. Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 2001 (Eingliederung in die Ortsgemeinde) war der Tagwen Matt Eigentümer der Alpen Krauchtal, Egg und Riseten. Im Gebiet der Alp Vorderegg („Leitplangge“) vernichtete 1954 ein Windwurf 110 Hektaren Wald, einen Viertel der nutzbaren Waldfläche der Gemeinde; vier Jahre später nahm diese die Aufforstung für drei Millionen Franken in Angriff. Zudem erstellte man zu den Alpen Egg und Riseten zwischen 1976 und 1988 Fahrwege. Weitere Erschliessungsprojekte ins Krauchtal, den Boligen- sowie den Haggenwald wurden 1992 auf 5,2 Millionen Franken budgetiert. Nach Hochwasser-Schäden durch den Berglibach 1997 wurde ausserdem eine Verbauung dieses Fliessgewässers projektiert.

Im Jahr 1923 bekam Matt neue Installationen für die Wasserversorgung; 1976 dann geschah dies für den Weissenberg. Elektrisches Licht brennt in der Gemeinde seit 1917. Damals lieferte die Spinnerei Spälty den Strom (Elektrizitätswerk-Krauchbach), ab 1931 bezog ihn die Matter Einwohnerschaft von Schwanden. Heute betreibt diese zusammen mit dem Bund ein Elektrizitätswerk im Truppenlager. Abgelehnt wurden hingegen sowohl ein Endlager für radioaktive Abfälle als auch ein Panzerschiessplatz im Krauchtal (1986). Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist seit 1985 die „Alte Post“.

Sowohl Egg und Riseten als auch das Krauchtal – die grösste Alp des Glarnerlandes – werden seit dem Mittelalter (Eintragungen finden sich im Säckinger Urbar von 1350) landwirtschaftlich genutzt; heute dominiert dort die Milchproduktion. Auf der Schönbüelfurggel (2206 m), welche die Grenze zu St. Gallen bildet, hindert während der Alpzeit ein Zaun die über 1000-köpfige Flumser Schafherde daran, im Krauchtal zu weiden. (Im Juli 1986 war es deswegen hier zu einem „Ziegenkrieg“ gekommen.) Anfangs des 16. Jahrhunderts wanderte eine Walserfamilie Studer aus Alagna (Val Sesia im Piemont) als Steinmetzen im Sernftal und anderen Orts im Land ein, wo sie den Beinamen Murer erhielt. (Ein Uli Murer begründete wohl den Stamm der Matter Stauffacher, welche seit Beginn des 17. Jahrhunderts mit diesem Namen erscheinen.) 1767 sind Säge, Mühle und Stampf bezeugt. 1777 wohnten im Dorf 257 männliche Glarner Bürger. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war Matt, wie Engi, übervölkert und wurde von einer Auswanderungswelle erfasst. Zu dieser Zeit lebten in der Gemeinde 659 Leute. 1868 kam es zur Gründung der Spinnerei Spälty (bis 1967, jetzt als Truppenunterkunft für maximal 500 Soldaten und für Ferienlager dienend). Im Steinbruch nördlich von Matt wurden von 1912 bis 1972 Pflaster- und Randsteine hergestellt. (In der Blütezeit beschäftigte das Unternehmen 90 Arbeiter.) In Matt ist jetzt eine Baufirma domiziliert. Neben den herkömmlichen Alp-, Bach- und Strassenkorporationen existiert seit 1982 eine Wohnbaugenossenschaft.

Schulunterricht ist schon im 17. Jahrhundert nachgewiesen; im 18. und 19. Jahrhundert führten manche Pfarrer Privatschulen (zum Beispiel Jakob Steinmüller, Pfarrer in Matt von 1748 bis 1782, und Jakob Heer, 1832 Gründer des glarnerischen Schulvereins). In der Gemeinde zum Unterricht ging des Letzteren Sohn, Oswald (1809–1883), später ein Naturforscher von internationalem Rang. (Ein Bildnis von Oswald Heer schmückt das Chorfenster der Kirche, und am nebenstehenden Pfarrhaus erinnert eine Granittafel an ihn. Ausserdem steht eine Büste von ihm im Britischen Museum in London.) 1834 wurde in Matt das erste Schulhaus erbaut. 1861 ist der Ort Sitz der Sernftaler Sekundarschule, heute schulisches Zentrum der gesamten Oberstufe des Tales, während die meisten Primarschüler von Matt die Schule in Engi besuchen. 1990 wurde eine neue Mehrzweckhalle, 2002 ein Sporthartplatz eingeweiht.

Von dieser Infrastruktur profitieren nicht zuletzt der Turnverein (seit 1921 bestehend), die Damenriege (1960) und der Sportclub (1985), aber auch der Frauen- und Töchterchor (1914) und die Matter Dorfmusik (1990). Einen eigenen Schiessstand betreibt der Schützenverein (1958 aus den Militär- und Feldschützenvereinen entstanden).

Ein Anbau der „Alten Post“ beherbergt nun ein Touristenlager. Den Brauch des „Schybenflüügens“ thematisiert das Gemeindewappen. Am Fastnachtsabend werden von einem Berghang aus mit langen Haselstöcken brennende, viereckige Holzscheiben durch die Luft ins Tal geschleudert. Etwas Tourismus gibt es am Weissenberg (sonnenreichster Ort im Kanton), im Winter zum Beispiel dank Skitouren-Strecken und einem Schlittelweg ins Dorf hinunter. Auf der Berglialp bietet neuerdings ein Senn Wellness-Ferien mit Älplerspeisen und Molkenbädern an. 1989 wurden 405 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt. Seit 1981 berichtet über diese und andere dörfliche Begebenheiten die „Matter Poscht“.