Schwändi

701 m ü. M.
483 Einwohner

Das Bergdorf Schwändi liegt auf der Abbruchmasse eines prähistorischen Bergsturzes zwischen Guppen- und Hanslirunsen am Fuss des Vorderglärnisch. Die Gemeinde besteht aus Ober- und Unterschwändi sowie dem Weiler Lassi(n)gen. Im Habsburger Urbar (ums Jahr 1300 verfasst) erscheint erstmals der Name Obermitlödi, welches sich zu Schwändi entwickelt haben dürfte. Mitte des 14. Jahrhunderts wird Swendi erstmals schriftlich genannt. Das Wort bedeutet Stelle, wo ausgereutet wurde. Im Ertragsverzeichnis (Urbar) der Kirche Schwanden von 1523 figurieren unter dem Vermerk “auf Schwändi“ die heute noch existierenden Flurnamen Wingällen, im Grund, Schupfen, Flecken, Schiben, Spicher, Bort, Faden und Schlatt. Daneben enthält das Schriftstück die nicht mehr gebräuchlichen Namen Niderdorf, Brenndli, Nellenbühl, Stilacker, Zägen und Baumgarten.
Ursprünglich war die Ortschaft nach Glarus, seit 1349 nach Schwanden kirchgenössig. 1528 trat sie wohl mehrheitlich zum reformierten Glauben über.

Seit der frühen Neuzeit bildet Schwändi mit Mitlödi und Sool zusammen einen Wahltagwen. Schwändi hatte zudem bis 1769 mit diesen Dörfern gemeinsamen Land-, vor allem Waldbesitz. 1701 beheimatete es 22 evangelische erwachsene Männer, Mitte desselben Jahrhunderts 164 Personen. Kurz vor 1800 lebten bereits über 530 Menschen auf der “Sonnenterrasse“.
Wohl vom Hochmittelalter an dominierte die Kleinviehzucht, die nach dem Aufkommen der Baumwollhandspinnerei zu Beginn des 18. Jahrhunderts nebenbei betrieben wurde. Auch im 19. Jahrhundert waren Ziegenhaltung und Wildheuen für die vorwiegend ausserhalb der Gemeinde als Textilarbeiter beschäftigten Einwohner Schwändis ein wichtiger Nebenerwerb. Die Gesamtzahl der in Schwändi Ansässigen war 1860 auf beinahe 850 angestiegen. Die akute Wohnungsnot zu dieser Zeit führte zum Bau der Reihenhäuser im Schibli und Neuhaus.

Seit 1785 ist eine Schule im Ort nachgewiesen. 1835 beendete man dann den Bau des Primarschulhauses. Schwändi war die Heimat des Dichters Caspar Schiesser (1812–1839).

Grosse Armut herrschte zu Beginn und in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Gemeinde hat ausser dem Wald keine Ressourcen. Zudem verursachen seit jeher Murgänge und Lawinen gewaltige Schäden. 1845 entstand dennoch die Strasse nach Schwanden. (Seit 1960 gibt es einen Busbetrieb dorthin.) Im Jahr 1870 wurde die Strasse nach Glarus eröffnet.

Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Dorf Skirennen. Schwändi etablierte sich auch als Kurort und zählte sieben Hotels und Gasthäuser mit vier Sälen. 1933 kam es zum Bau eines kleinen Schwimmbades durch Freiwillige. In den 1980er und 1990er Jahren registrierte man in Schwändi zahlreiche Neuzuzüger; die Einwohnerzahl vergrösserte sich deshalb in diesem Zeitraum von 276 auf über 400. Eine Naturerscheinung tritt jährlich am 24. Februar ein; dann steigt die Sonne morgens um acht Uhr im “Loch“, dem tiefen Einschnitt zwischen Foo- und Gandstock, empor und scheint dann ununterbrochen bis 15.30 Uhr.

Erst seit der schweizerischen Landesausstellung 1939 verfügt Schwändi über ein Wappen. Dessen Schöpferin Ida Tschudi berief sich wohl auf ihren Namensvetter Ägidius, den grossen Glarner Chronisten des 16. Jahrhunderts. Für ihn stammte die Zürcher Ratsherren-Familie Schwend, welche um 1300 in Urkunden belegt ist, aus Schwändi. Schon diese Angehörigen der städtischen Führungsgruppe trugen zwei Rosen mit den gekreuzten Stielen im Wappen, genauso wie Jahrhunderte später das Dorf im Glarnerland. Bei der Auswahl des Sujets nicht zum Zug kamen demnach die sieben alten Bürgergeschlechter Baumgartner, Jenni, Knobel, Schiesser, Schindler, Störi und Zimmermann.

Ebenfalls in der Tradition von Gilg Tschudi stehend, verwies Professor Andreas Baumgartner (1844–1936), der als Bürger von Schwändi in der Gemeinde aufgewachsen war, 1926 auf die Überlieferung seiner Vorfahren, dass eine Burg einst oberhalb “Schupfen“ am Weg ins “Dicken“ gestanden hätte. Grabungen waren jedoch unterblieben und in einem “Aufruf an die Glarnerischen Burgenfreunde“ (1928) kamen dessen Verfasser zur Ansicht, dass auf Grund aller Abwägungen, die für oder gegen eine Burg auf Schwändi sprechen, dort nie eine solche gestanden habe.